Teilzeitkrankschreibung – was ist das?

Mann mit gebrochenem Bein sitzt auf dem Sofa und arbeitet am Laptop

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Die Teilzeitkrankschreibung ist eine Form der Krankschreibung, bei der teilweises Arbeiten trotz Krankheit möglich sein soll. Die Bundesregierung will die Teilzeitkrankschreibung mit einem neuen Gesetzentwurf Anfang 2027 einführen. Wie diese Teilarbeitsunfähigkeit aussehen soll und was das für Sie bedeutet, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Teilzeitkrankschreibung – was ist das?

Die Teilzeitkrankschreibung bzw. Teilarbeitsunfähigkeit ermöglicht es, während einer Krankschreibung trotzdem eine begrenzte Zeit zu arbeiten. Viele kennen das: Sie werden durch das lange Sitzen am Schreibtisch immer wieder von Rückenschmerzen geplagt. Zu krank, um den ganzen Tag ins Büro zu gehen, aber zu gesund, um zu Hause zu bleiben. Ein Dilemma, das die Teilzeitkrankschreibung bzw. Teilarbeitsunfähigkeit lösen soll. Stimmen Bundestag und Bundesrat dem Gesetzentwurf zu, könnte die Regelung Anfang 2027 in Kraft treten.

Hintergrund des Reformbestrebens rund um die Teilzeitkrankschreibung sind die leeren Kassen der Krankenkassen. Die gesetzliche Krankenversicherung steht unter Spardruck, mit der Teilzeitkrankschreibung soll Krankengeld eingespart werden. Skandinavien gilt als Vorbild: So ist die Teilarbeitsunfähigkeit in Schweden bereit seit Jahren etabliert und andere nordeuropäische Länder wollen nachziehen.

Was ist der Unterschied zur normalen Krankschreibung?

Bei der aktuellen Krankschreibung wird stets die volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, das heißt: Sie dürfen nicht arbeiten, selbst wenn Sie wollten. Die Teilzeitkrankschreibung dagegen erlaubt explizit, dass Sie Ihrer beruflichen Tätigkeit eine bestimmte Anzahl von Stunden nachgehen dürfen.

Wie ist der Zusammenhang von Teilzeitkrankschreibung und Wiedereingliederung?

Die Teilzeitkrankschreibung hat nichts mit der stufenweisen Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell zu tun. Dabei werden Sie NACH längerer Krankheit durch eine langsame Erhöhung des Arbeitspensums wieder an die Vollzeitarbeit herangeführt. Während Sie hier trotz geleisteter Stunden zu 100 % arbeitsunfähig bleiben und in der Regel weiterhin volles Krankengeld erhalten, ermöglicht die Teilzeitkrankschreibung schon WÄHREND der Erkrankung eine teilweise Beschäftigung – mit Konsequenzen für Lohnfortzahlung und Krankengeldbezug.

Männer arbeiten am Bau eines Hauses
Nicht jeder Job eignet sich für das Konzept der Teilzeitkrankschreibung

Die Voraussetzungen für eine Teilzeitkrankschreibung

Für die Teilzeitkrankschreibung gelten bestimmte Voraussetzungen. Die wichtigste: Sie soll nicht für Bagatellerkrankungen wie einen Schnupfen gelten, aber auch keine Aufopferung von Schwerkranken im Job provozieren. Das sind die geplanten Voraussetzungen:

  • Die Erkrankung muss nach bestimmten Kriterien ärztlich attestiert sein.
  • Es sind mehr als vier Wochen Arbeitsunfähigkeit zu erwarten.
  • Sie fühlen sich gesundheitlich in der Lage, in reduziertem Umfang zu arbeiten.
  • Der Arbeitgeber stimmt zu, dass Sie nur teilweise krankgeschrieben sind.
  • Ihr Arbeitsplatz eignet sich für die eingeschränkte Tätigkeit.


Es gilt also: Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber müssen der teilweisen Krankschreibung zustimmen – es handelt sich nicht um eine gesetzliche Pflicht!

Bei welchen Krankheiten kann die Teilzeitkrankschreibung von Vorteil sein?

Die Teilzeitkrankschreibung eignet sich nicht für sämtliche Erkrankungen. Entsprechend der eng gesteckten Voraussetzungen eignet sich die teilweise Krankmeldung beispielsweise nicht für akute Infekte wie starke Erkältungen, Lungenentzündungen oder Grippe, die zur Erholung Bettruhe erfordern. Sinnvoll kann das Konzept dagegen bei folgenden Krankheitsbildern sein:

  • psychische Erkrankungen, z. B. depressive Episoden oder Angststörungen
  • drohendem Burnout-Syndrom
  • chronischen orthopädischen Beschwerden, etwa an den Bandscheiben
  • Krebserkrankungen, besonders zwischen Chemobehandlungen


Bei diesen Erkrankungen kann das Arbeitsumfeld sogar einen positiven Effekt für die Betroffenen haben: Bei psychischer Belastung zum Beispiel das Gefühl der Isolation mildern. Die Liste ist nicht vollständig und es handelt sich auch nur um Empfehlungen – maßgeblich ist immer die ärztliche Einschätzung. Die wohl wichtigste Voraussetzung für die Teilzeitkrankschreibung: Die Betroffenen müssen sich zu Arbeit in der Lage fühlen, trotz Krankheit muss also eine Restleistungsfähigkeit vorhanden sein. Weiterhin muss die Art des Jobs die weitere Genesung zulassen. Problematisch können hier Jobs am Bau sein. Homeoffice dagegen ist prädestiniert für eine partielle Krankschreibung.

So funktioniert die Teilzeitkrankschreibung

In der Praxis soll das Verfahren nach einem festen Schema verlaufen, wobei vieles noch nicht abschließend im Detail geklärt ist. Die grundsätzlichen Schritte sind:

  1. Ihr Arzt attestiert Ihnen, dass Sie nur teilweise arbeitsfähig sind und zwar zu 25, 50 oder 75 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit.
  2. Sie teilen Ihrem Arbeitgeber unverzüglich mit, dass Sie eine teilweise Krankmeldung wünschen.
  3. Dieser prüft innerhalb von sieben Kalendertagen, ob Ihr Arbeitsplatz für eine reduzierte Tätigkeit geeignet ist und in welchem Umfang; reagiert er nicht, gilt der Arbeitsplatz als passend.
  4. Stimmt er zu, vereinbaren Sie mit dem Arbeitgeber – am besten schriftlich – die konkrete Stundenzahl.
  • Lehnt er ab, bleibt es bei der normalen Krankschreibung und Sie arbeiten nicht.

Erschöpfte Frau
Krankheiten wie Burnout oder depressive Episoden eignen sich für die Teilzeitkrankschreibung

Was sind die Vorteile der Teilzeitkrankschreibung?

Die Teilzeitkrankschreibung hat mehrere Vorteile. Unter anderem hebt sie das Entweder-oder-Prinzip der bisherigen Krankschreibung auf. Das sind die Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Überblick:

  • Der Wiedereinstieg während einer Erkrankung kann leichter gelingen, da die Betroffenen in die betrieblichen Abläufe eingebunden bleiben.
  • Da nur einen Teil des Tages gearbeitet wird, sinkt die Gefahr einer Überlastung – es bleibt Zeit für die vollständige Genesung.
  • Wichtige Aufgaben bleiben nicht unerledigt, so dass krankgeschriebene Personen nach Genesung nicht vor einem Berg Arbeit stehen.
  • Die Kollegen müssen die Aufgaben nicht komplett auffangen, was das Betriebsklima verbessern und Verzögerungen bei Projekten reduzieren kann.
  • Arbeitgeber können die trotz Krankheit verbleibende Arbeitsfähigkeit nutzen, statt vollständig auf die Leistung zu verzichten.

Was sind die Nachteile der Teilzeitkrankschreibung?

Neben den Vorteilen hat die Teilzeitkrankschreibung auch Nachteile. Die geplanten Regelungen werden vor allem von Gewerkschaften, aber auch von Medizinern kritisch gesehen. Skepsis herrscht vor allem im Hinblick auf den bürokratischen Aufwand und die Vermischung von Arbeit und notwendiger Erholung. Als Nachteile der Teilzeitkrankschreibung werden vor allem folgende Punkte genannt:

  • Es besteht die Sorge, dass Arbeitnehmer Druck ausüben, um Mitarbeiter trotz Krankheit zur Arbeit zu bewegen.
  • Die Grenzen zwischen Gesundheit und Arbeit verschwimmen, was insgesamt die Volksgesundheit verschlechtern könnte.
  • Es fällt zusätzlicher Bürokratie- und Dokumentationsaufwand für die Personalabteilungen und Ärzte an.
  • Mediziner bezweifeln, dass sie ohne genau Kenntnis der Arbeitsumstände eine prozentuale Restarbeitsfähigkeit feststellen können.
  • Beschäftigte könnten das volle Pensum eines Arbeitstages in die verkürzte Arbeitszeit pressen und somit ihre Gesundheit gefährden.

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Wie funktioniert die Entgeltfortzahlung bei einer Teilzeitkrankschreibung?

Die Entgeltfortzahlung an sich wird bei Teilzeitkrankschreibung nicht ausgehebelt, das versichert die Bundesregierung. In den ersten sechs Wochen einer Erkrankung erhalten Sie weiterhin Ihren vollen Lohn, egal wie viele Stunden Sie arbeiten. Sie werden also nicht schlechter gestellt als jemand, der voll krankgeschrieben ist. Der Arbeitgeber kann sich freuen, dass er zumindest eine teilweise Arbeitsleistung von Ihnen erhält.

Wie ist es mit dem Krankengeld?

Nach Ablauf der sechs Wochen Entgeltfortzahlung bekommen Sie wie bisher Krankengeld. Der Gesetzentwurf sieht vor, zusätzlich zu den bisherigen Regeln – 70 Prozent des Bruttoeinkommens und eine mögliche Bezugsdauer von 78 Wochen innerhalb von drei Jahren – ein Teilkrankengeld einzuführen. Es soll für die krankheitsbedingt nicht erbrachte Arbeitsleistung gezahlt werden. Der Arbeitgeber bezahlt Ihnen die Stunden, die Sie arbeiten. Was nach viel Bürokratie klingt, ist es auch: Zumindest werden die Entgeltabrechnung, Personalverwaltung und Krankmeldung komplizierter.

Das sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber bei der Teilzeitkrankschreibung beachten

Vor der offiziellen Einführung der Teilzeitkrankschreibung sollten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer gut abstimmen. Mit unseren Tipps setzen Sie die geplante Neuerung erfolgreich um, sofern sie nach den bisherigen Plänen tatsächlich in Kraft tritt:

ArbeitnehmerArbeitgeber
Sprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt ehrlich über Ihre Restleistungsfähigkeit.Prüfen Sie den Arbeitsplatz innerhalb der Frist, teilen Sie Ihre Entscheidung dem Beschäftigten mit und dokumentieren Sie das Ergebnis.
Teilen Sie dem Chef Ihren Wunsch nach Teilkrankschreibung frühzeitig mit.Bereiten Sie Melde-, Zustimmungs- und Abrechnungsverfahren vor.
Arbeiten Sie nur in dem Umfang, zu dem Sie sich wirklich in der Lage fühlen.Vermeiden Sie jeden Eindruck von Druck oder Pflicht zur Arbeit trotz Krankschreibung.
Brechen Sie die Teilzeitlösung ab, wenn sich Ihre Gesundheit wieder verschlechtert.Schulen Sie die Führungskräfte, damit Krankmeldung und Fürsorgepflicht zusammenpassen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Wie die Teilzeitkrankschreibung in der Realität sinnvoll zum Einsatz kommen kann, veranschaulicht folgendes Beispiel:

Frau Meyer möchte nach einer schweren Erschöpfungsdepression wieder als leitende Projektmanagerin arbeiten, eine Rückkehr in die Vollzeit würde sie aber noch überfordern. Auf der anderen Seite würde sich durch eine vollständige, längere Krankschreibung den Anschluss an ihr Team verlieren. Der Arzt stellt Frau Meyer daher eine Teilzeitkrankschreibung für 50 Prozent, also täglich vier Stunden, aus. Sie reicht diese bei ihrem Arbeitgeber ein und vereinbart mit ihm, dass sie von 9 bis 13 Uhr wichtige Kernprojekte betreut und Meetings leitet. Den Nachmittag nutzt sie konsequent für die Erholung und Behandlungen. Bei dieser Umsetzung der Teilzeitkrankschreibung bleibt Frau Meyer in ihrem Job verankert, ohne ihre Genesung aufs Spiel zu setzen.

Die Teilzeitkrankschreibung – machbar oder nicht?

Wie die Teilzeitkrankschreibung zu bewerten ist, lässt sich wohl erst sagen, wenn Sie 2027 in Kraft tritt – sofern es überhaupt dazu kommt. Die Debatten um diesen Baustein der geplanten Gesundheitsreform sind Stand Juni 2026 in vollem Gange, Ergebnis ungewiss. Der Gesetzgebungsprozess sieht die Zustimmung von Bundestag und Bundesrat vor. Wird die Vorlage Gesetz, gibt es noch etliche Details zu klären.

Was ist, wenn Sie gar nicht mehr arbeiten können? Lesen Sie das Wichtigste über die Erwerbsminderungsrente. Falls Sie in der Teilzeitkrankschreibung zu Hause arbeiten und über ein Kabel stolpern, verrät Ihnen unser Beitrag Arbeitsunfall im Homeoffice, was versichert ist und wie Sie vorgehen sollten.

Bildnachweis:
Titelbild: stock.adobe.com/Studio Romantic, Bild 2: stock.adobe.com/ng2530, Bild 3: stock.adobe.com/Mangostar

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Cornelia Scheffler
Cornelia arbeitet als Online-Redakteurin bei der BavariaDirekt. Ihr beruflicher Weg führte sie durch viele Redaktionen - von TV über Print bis Online. Bei der BavariaDirekt kombiniert sie profundes Wissen zu Versicherungsprodukten mit Ihrem Spürsinn für aktuelle Leserinteressen rund um das Thema Versicherungen. Wenn sie frei hat spielt sie Cello und ist auf Flohmärkten unterwegs.

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