Mediation – Verfahren, Ablauf & Kosten

Paar bei der Mediation

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Gerichtsverfahren dauern lange und kosten viel Zeit und Nerven. Ein Prozess ist aber nicht der einzige Weg, um einen Streit beizulegen. Oft kann auch eine außergerichtliche Mediation eine gute Lösung sein. Lesen Sie, was eine Mediation ist, wie das Mediationsverfahren genau abläuft und mit welchen Kosten Sie rechnen sollten.

Was ist Mediation?

Bei der Mediation handelt es sich um ein außergerichtliches Vermittlungsverfahren, bei dem eine neutrale Person versucht, zwischen zwei Streitparteien eine Einigung herbeizuführen. Der Mediator bzw. die Mediatorin ist darin geschult, Konflikte zu lösen und hat entsprechendes juristisches, psychologisches oder anderes relevantes Fachwissen.

Der Begriff „Mediation“ stammt vom lateinischen „mediare“ ab und bedeutet „vermitteln“ bzw. wortwörtlich „in der Mitte stehen“. Diese Art der Streitbeilegung durch einen unparteiischen Dritten hat weltweit eine jahrtausendealte Tradition. Heute wird Mediation häufig angewendet, um die Gerichte zu entlasten und Verfahrenskosten zu reduzieren.

Mediationsverfahren – so läuft es ab

Das Mediationsverfahren folgt einer bewährten Struktur, die aber nicht starr vorgegeben und situationsgerecht anpassbar ist. In der Regel besteht eine Mediation aus fünf Phasen: Ablauf- und Zielklärung, Bestandsaufnahme, Interessenklärung, Lösungssuche und Übereinkunft. Der letzte Punkt, die Vereinbarung, kann bei einem Scheitern der Mediation entfallen. Konkret umfassen die fünf Phasen folgende Schritte:

  1. Auftaktgespräch: Der Mediator erklärt den Parteien das Verfahren und die Regeln. Gemeinsam wird festgelegt, was gelöst werden soll.
  2. Position darstellen: Die Parteien legen ihre Sicht auf den Konflikt dar. Der Mediator sammelt und sortiert die strittigen Punkte wertungsneutral.
  3. Interessen herausarbeiten: Es findet eine Klärung statt, worum es den Parteien geht und was ihnen am wichtigsten ist. So lassen sich die tatsächlichen Bedürfnisse erkennen und ggf. starre Forderungen durch Kompromisse ersetzen.
  4. Lösungen entwickeln: Mithilfe von „Was-wäre-wenn-Szenarien“ entwerfen, bewerten und verhandeln die Beteiligten auf kreative Weise verschiedene Einigungsmöglichkeiten.
  5. Vereinbarung treffen: Kommt es zu einer Einigung, wird diese rechtsverbindlich in einem Dokument festgehalten.

Wo hilft Mediation? Ein paar Beispiele

Ein Mediationsverfahren ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Streitparteien zu einer lösungsorientierten Konfliktklärung bereit sind und ein Gerichtsverfahren beiden Seiten mehr Nach- als Vorteile bringt. Auch bei emotional aufgeladenen Streitigkeiten hat sich das Mediationsverfahren bewährt. So kann ein Mediator bei einer Scheidung die nötige Ruhe und Sachlichkeit in den Konflikt bringen. In der Praxis kommt die Mediation am häufigsten in folgenden Situationen zur Anwendung:

Familien- und Partnerschaftskonflikte

Bei Trennungen, Erbstreitigkeiten oder Streit um das Sorgerecht sind die Fronten aufgrund der verletzten Gefühle oft besonders verhärtet. Statistisch gesehen sind familiäre Auseinandersetzungen der häufigste Grund für eine Mediation. Die Parteien können mit einer Mediation besonders lange, kostspielige Prozesse vermeiden. Die Konfliktlösung findet außerdem diskret und zukunftsorientiert statt. Schließlich bleibt die Beziehung zwischen den Parteien meist bestehen und es sollte keine verbrannte Erde hinterlassen werden. Bei einer Scheidung kann ein Mediator in dieser Hinsicht wertvoll sein und etwa auch die Interessen der Kinder wahren.

Kollegen Handshake
Auch bei Konflikten im Job kann Mediation die Lösung sein

Streitigkeiten im Arbeitsumfeld

Der zweit häufigste Grund für die Mediation sind Konflikte im beruflichen und wirtschaftlichen Bereich. Auch hier ist das Verfahren besonders wirksam, da Spannungen im Job oder zwischen Geschäftspartnern häufig durch eine mangelhafte Kommunikation auftreten – etwa, wenn die gegenseitigen Erwartungen nicht klar formuliert werden. Hier kann ein Mediator bzw. eine Mediatorin sehr gut zur Klärung beitragen und eine weitere Zusammenarbeit ermöglichen. Wirtschaftsmediation ist auch deshalb so stark nachgefragt, weil Unternehmen an einer schnellen, diskreten Konfliktlösung gelegen ist. Lange, öffentliche Prozesse schädigen Image und Ansehen von Firmen oder Personen.

Differenzen in der Nachbarschaft und beim Wohnen

Von überhängenden Ästen bis hin zu lauter Musik: Die Aufhänger für Streit zwischen Nachbarn sind zahlreich und sorgen für eine hohe Auslastung der Mediatoren. Die Vermittlung ist hier zielführender als ein Gerichtsverfahren, da die Parteien in der Regel weiter nebeneinander wohnen. Während ein Urteil die Feindseligkeiten eher erhält, kann ein pragmatischer Kompromiss friedensstiftend wirken. Bei Konflikten zwischen Mietern und Vermietern, etwa zur Schadensursache bei Schimmel in der Wohnung, kann eine Mediation ebenfalls hilfreich sein.

Versicherer setzen gerne auf das Verfahren, um langwierige Klagen nach Schadenfällen zu vermeiden oder Unstimmigkeiten über die Schadenshöhe im direkten Austausch mit dem Kunden auszuräumen.

Vorteile der Mediation

Mit einer Mediation lässt sich ein Konflikt lösen, ohne dass eine Partei das Nachsehen hat. Es geht um eine faire, einvernehmliche und eigenverantwortliche Lösungsfindung: Nicht jede Kleinigkeit muss die ohnehin überlastete Justiz beschäftigen. Das sind die wichtigsten Vorteile einer Mediation:

  • Eine Mediation ist meist deutlich schneller als ein Gerichtsverfahren. Ein Kompromiss lässt sich häufig in wenigen Wochen erarbeiten.
  • Sie vermeiden hohe Gerichts- und Anwaltskosten. Der finanzielle Aufwand ist kalkulierbar und weitaus geringer. Viele Rechtsschutzversicherungen übernehmen die Mediationskosten komplett und verzichten auf die vereinbarte Selbstbeteiligung. Mit einer Mediation können Sie also sparen.
  • Was während der Mediation besprochen wird, dringt nicht nach außen. Ihre Privatsphäre bleibt im Gegensatz zu einem Prozess gewahrt und Sie müssen Ihre Finanzen nicht offenlegen.
  • Sie entscheiden selbst über das Ergebnis, nicht ein Richter. Eine gemeinsam erarbeitete Vereinbarung gibt beiden Parteien das Gefühl der Selbstwirksamkeit.
  • Mediation reduziert Eskalationen und hilft, Geschäfts-, Arbeits- oder private Beziehungen zu erhalten.
  • Weil Sie an der Lösung aktiv mitwirken, werden Vereinbarungen in der Praxis besser eingehalten.

Die Kosten für Mediation deckt der Rechtsschutz

Ob Sie einen Konflikt durch Mediation lösen oder durch den Rechtsweg oder beide Verfahren nutzen: Die Rechtsschutzversicherung der ÖRAG übernimmt die Kosten. Die günstige Police unterstützt Sie nicht nur finanziell, sondern hilft Ihnen auch bei der Wahl eines Mediators und berät Sie rund um das Vermittlungsverfahren. Nach dem Baukastenprinzip können Sie die passende Versicherung auswählen und sich so ein individuell passendes Paket schnüren – von Privat- über Vermieter– bis hin zu Verkehrsrechtsschutz.

Die Kosten für Mediation deckt der Rechtsschutz

Ob Sie einen Konflikt durch Mediation lösen oder durch den Rechtsweg oder beide Verfahren nutzen: Die Rechtsschutzversicherung der ÖRAG übernimmt die Kosten. Die günstige Police unterstützt Sie nicht nur finanziell, sondern hilft Ihnen auch bei der Wahl eines Mediators und berät Sie rund um das Vermittlungsverfahren. Nach dem Baukastenprinzip können Sie die passende Versicherung auswählen und sich so ein individuell passendes Paket schnüren – von Privat- über Vermieter– bis hin zu Verkehrsrechtsschutz.

Mediator und Mediatorin: Qualifikation und Hintergrund

Bei Mediatoren handelt es sich um hochqualifizierte Personen. In der Regel haben sie einen akademischen Abschluss und einen Erstberuf sowie eine Zusatzausbildung zum staatlich anerkannten Mediator. Das ist der Standard in Deutschland – theoretisch kann sich zwar jeder Mediator nennen, aber ohne die mindestens 130-stündige, in einer eigenen Verordnung geregelte Ausbildung bleiben Aufträge aus. Regelmäßige Fortbildungen und Supervisionen sind für zertifizierte Mediatoren verpflichtend.

Im Rahmen der Ausbildung lernen angehende Mediatoren rechtliche, psychologische und strukturelle Grundlagen des Mediationsverfahrens sowie diverse Gesprächs- und Konfliktlösungstechniken. Da für die Aufgabe vor allem Soft Skills wie Empathie und Kommunikationsstärke gefragt sind, kommen Interessenten häufig aus den Bereichen Psychologie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Recht, Beratung/Coaching oder Personalwesen.

Mediator oder Mediatorin gesucht? So finden Sie die passende Person

Die Wahl eines passenden Mediators ist entscheidend für die konstruktive Lösung von Konflikten. Mit folgenden Tipps finden Sie den richtigen Mediator:

  • Achten sie auf die fachliche Qualifikation: Viele Mediatoren sind Mitglied in Fachverbänden wie dem Bundesverband Mediation (BM) oder der Bundes-Arbeitsgemeinschaft für Familien-Mediation e. V. (BAFM) und haben somit eine entsprechende Zertifizierung.
  • Über das Suchformular auf den Verbandsseiten finden Sie leicht einen Mediator an Ihrem Wohnort bzw. in Ihrer Nähe. Ansonsten können Sie auch Anwaltssuchdienste oder die Mediationsvermittlung Ihrer Rechtsschutzversicherung in Anspruch nehmen.
  • Idealerweise passt der fachliche Hintergrund des Mediators zu Ihrem Konfliktthema. Demnach wäre für Familienstreitigkeiten ein Jurist oder jemand mit psychologischer Ausbildung ideal, bei einem Konflikt rund um Bauschäden ist technischer Sachverstand vorteilhaft.
  • Ein seriöser Mediator bietet Ihnen die Möglichkeit, den Konflikt und die Zusammenarbeit in einem kostenlosen Vorgespräch näher zu beleuchten. Nutzen Sie das, um zu prüfen, ob Sie sich die Person in der vertraulichen Rolle des Vermittlers vorstellen können.
  • Mediationssitzungen müssen nicht im Rahmen eines Präsenztreffens stattfinden. Auch online ist die Konfliktlösung möglich. Fragen Sie bei der ersten Kontaktaufnahme, ob der Mediator diese Option anbietet.

Was ist das Mediationsgesetz?

Das Mediationsgesetz (MediationsG) ist der rechtliche Rahmen für die Mediation in Deutschland. Es ist 2012 in Kraft getreten und soll die außergerichtliche Konfliktlösung fördern und setzt qualitative Standards. So listet das Mediationsgesetz unter anderem die Pflichten des Mediators auf (Vertraulichkeit, Neutralität etc.), regelt den Schutz der Berufsbezeichnung „zertifizierter Mediator“ und unterbricht die Verjährung – das heißt, während einer Mediation sind rechtliche Fristen ausgesetzt. So haben Sie keine Nachteile, wenn Sie vor einem Gerichtsverfahren eine gütliche Einigung anstreben.

Eine Meta-Analyse von Wall und Dunne (2012) zeigt, dass Mediation in über 70 Prozent der Fälle zu einer Einigung führt, die von den Parteien als „zufriedenstellend“ bewertet wird. Im Vergleich dazu enden viele Gerichtsverfahren ohne Einigung oder mit weniger zufriedenstellenden Ergebnissen.

Quelle:
Wall, J. A., & Dunne, T. C. (2012). Mediation Research: A Current Review. Negotiation Journal, 28(3), 217-244.

Was ist der Unterschied zur Schlichtung?

Mediation und Schlichtung werden oft gleichgesetzt, unterscheiden sich aber im Hinblick auf die Rolle des Vermittlers und die Lösungsfindung. So ist bei der Mediation der Vermittler ein neutraler Begleiter, aber kein Gestalter. Die Erarbeitung eines Kompromisses erfolgt durch die Parteien.

Bei der Schlichtung gibt dagegen der Ombudsmann die Richtung vor und macht konkrete Lösungsvorschläge. Während der Mediationsprozess also eher kreativ und interaktiv ist, orientiert sich die Schlichtung an Gesetzen und Normen. Sie ist formaler und ähnelt eher einem Gerichtsverfahren. Am Ende steht ein Schlichterspruch, den Sie annehmen oder ablehnen können.

Was ist in der Praxis besser? Eine Schlichtung ist vor allem bei sachlichen Konflikten rund um Geld oder Rechtsfragen hilfreich. Die Mediation empfiehlt sich bei emotional aufgeladenen Streitigkeiten und wenn die Parteien auch in Zukunft noch miteinander umgehen müssen.

Mediation – welche Kosten fallen an?

Da Mediatoren nach Zeitaufwand und nicht nach Streitwert abrechnen, sind ihre Honorare häufig weitaus günstiger als Verfahrens- und Anwaltskosten. Dazu kommen ggf. weitere Kosten, etwa für Räumlichkeiten. Mit diesen Summen können Sie rechnen:

  • 150 bis 250 Euro pro Stunde (im Wirtschaftsbereich bis zu 400 Euro)
  • 600 bis 1.500 Euro pro Tag
  • dreistellige Beträge für Raum-, Übernachtungs- und Verpflegungskoten
  • Gesamtkosten für eine sechs- bis zehnstündige Mediation ca. 1.500 bis 2.500 Euro


Die Streitparteien teilen sich die Kosten hälftig, wenn nichts anderes vereinbart wird. Zum Vergleich: Bei einem Streitwert von 10.000 Euro kostet ein Gerichtsverfahren schnell 4.000 Euro – für Sie allein.

Flipcharts zur Visualisierung
Mediatoren setzen auf verschiedenen Techniken bei der Lösung von Konflikten

Mediation – zahlt die Versicherung?

Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, egal ob Privat-Rechtschutz, Vermieter-Rechtsschutz, Berufs- oder Verkehrs-Rechtsschutz, trägt diese die Kosten für das Mediationsverfahren bis zu einer bestimmten Höhe. Da die Kosten für eine Mediation weitaus geringer ausfallen als Verfahrens- und Anwaltskosten, ist Versicherern sehr an der Mediation gelegen. Oft erlassen sie ihren Kunden die Selbstbeteiligung, wenn diese sich für das außergerichtliche Vermittlungsverfahren entscheiden. Ein späterer Prozessweg ist davon unberührt.

Tipp: Holen Sie vor der Mediation bei Ihrer Versicherung eine Deckungszusage für die Kosten ein. Oft empfiehlt Ihnen Ihr Versicherer sogar direkt einen spezialisierten Mediator aus dem eigenen Netzwerk, was das Verfahren zusätzlich vereinfacht.

Mediation spart Zeit, reduziert Kosten und schont Nerven

Der Klügere gibt nach – so weit müssen Sie bei einer Mediation gar nicht gehen, sondern eine Konfliktlösung wird hier beiden Seiten gerecht. Hat das Vermittlungsverfahren Erfolg, können Sie erhobenen Hauptes aus dem Streit gehen und schonen Ihr Budget. Gerade bei hitzigen Streitigkeiten wirkt ein friedensstiftender Mediator beruhigend und lässt auch künftig noch einen Umgang mit dem Gegenüber zu – sei es der Arbeitgeber oder Ex-Partner.

Ein typisches Themenfeld für eine Mediation ist Streit zwischen Vermieter und Mieter – das sollten Sie bei einer Mieterhöhung wissen. Auch im Job kommt es häufig zu Unstimmigkeiten, etwa nach einer verhaltensbedingten Kündigung.

Bildnachweis:
Titelbild: stock.adobe.com/Roman, Bild 2: stock.adobe.com/peopleimages.com, Bild 3: stock.adobe.com/smolaw11

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Natalie Heß
Seit fünf Jahren ist Natalie als Content-Managerin bei der BavariaDirekt tätig und hat unser Magazin ins Leben gerufen. Nach ihrer Elternzeit widmet sie sich nun dem Thema Customer Experience auf unserer Webseite. Welche Fragen und Wünsche haben unsere Kunden? Diese möchte sie in ihren Artikeln beantworten und erfüllen. In ihrer Freizeit macht sie gerne Yoga und liebt gutes Essen – auswärts wie daheim beim Kochen.

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