Auch bei Hunden hängt die Gesundheit von der Qualität des Futters ab. Fertigfutter aus der Dose oder Tüte ist nicht für jeden Hund und auch nicht für jedes Herrchen die beste Option. Barfen könnte eine Alternative sein. Bei der Fütterung mit Barf geht es um die artgerechte Ernährung des Vierbeiners mit rohem Fleisch. Lesen Sie die wichtigsten Informationen über die Rohfütterung und worauf Sie unbedingt achten müssen.
Was bedeutet Barf?
Der Begriff „BARF“ stammt aus dem Englischen und ist ein Akronym für „Biologically Appropriate Raw Food“ – zu Deutsch „Biologisch artgerechte Roh-Fütterung“. Oft wird auch einfach von Barfen gesprochen. Die Ernährungsform wurde in den 1990er-Jahren von einem australischen Tierarzt propagiert und von vielen Hundeliebhabern aufgegriffen. Die Idee dahinter ist, Hunde, als Nachfahren des Wolfes, möglichst wie den wilden Vorfahren zu ernähren: natürlich, artgerecht und ohne künstliche Zusätze.
Die frisch zusammengestellten Mahlzeiten bestehen, passend für einen Carne-Omnivoren (Fleisch-Allesfresser), vorwiegend aus rohen Zutaten wie Fleisch, Innereien, Knochen, Gemüse und Obst. Barf-Mahlzeiten spiegeln die Ernährung in der freien Wildbahn wieder. Sie besteht aus Beutetieren, deren pflanzlichem Mageninhalt, Wurzeln, Früchten, Beeren sowie Gras.
Warum barfen Tierfreunde?
Bei industriellem Tierfutter wissen Sie nie genau, was drinsteckt. Je nach Produkt können billige Füllstoffe wie Getreide, minderwertige Schlachtabfälle und Knochenmehl enthalten sein. Dazu kommen Zucker, Aromen, synthetische Konservierungsstoffe und andere unerwünschte Chemikalien. Manche Hunde reagieren auf die künstlichen Zusätze oder das Getreide allergisch. Weizen und Co. gehören nicht zur natürlichen Nahrung der Vierbeiner, Unverträglichkeiten sind eine häufige Folge.
Beim Barfen haben Sie dagegen die volle Kontrolle über alle Inhaltsstoffe. Sie können die Mahlzeiten für Ihren Hund im individuell optimalen Mengenverhältnis aus Fleisch, pflanzlicher Kost und natürlichen Zusätzen wie Ölen selbst zusammenstellen – und so eine ideale Ernährung mit allen benötigten Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen sicherstellen.
Welche Vorteile werden dem Barfen zugeschrieben?
Befürworter schreiben der Ernährungsform viele Vorteile zu, wobei diese meisten auf anekdotischen Berichten beruhen und nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Zu den Vorteilen gehören:
- Glänzendes Fell und gesunde Haut: Verbesserungen zeigen sich hier vor allem, wenn zuvor eine Unverträglichkeit gegen Bestandteile des Fertigfutters bestand. Auch die Ergänzung von gesunden Fettsäuren wie Omega-3 erzielt diese Wirkung.
- Weniger Verdauungsbeschwerden, wie beispielsweise Blähungen: Ebenfalls in der Regel dann zu beobachten, wenn der Hund vor der Umstellung auf Barffutter an einer Unverträglichkeit litt.
- Geringerer Eigengeruch des Hundes: Die bessere Verwertung oder andere Fettkomposition im Futter können einen starken Eigengeruch mindern.
- Kleinere Kotmengen durch bessere Futterverwertung: Kann zutreffen, der Effekt variiert aber je nach Zutaten und individueller Verdauung.
- Hunde sind vitaler und fitter: Das ist zumindest der Eindruck vieler Halter, der sich aber nur schwer objektiv belegen lässt.
- Bessere Zähne, da Barf-Futter mehr gekaut werden muss. Kauen auf knochenreichen Anteilen reduziert mechanisch den Zahnbelag.

Welche Nachteile hat das Barfen?
Den Vorteilen stehen aber auch einige Nachteile des Barfens gegenüber. Vor allem praktische und gesundheitliche Gründe sprechen gegen das Fütterungskonzept. Nachteile, die sich vor allem im Alltag bemerkbar machen sind:
- Sie müssen sich selbst um die ideale Komposition mit allen erforderlichen Nährstoffen kümmern.
- Barf-Futter für den Hund ist teurer als herkömmliches Nass- oder Trockenfutter, vor allem, wenn Sie auf hochwertige Zutaten setzen.
- Höherer Zeitaufwand: Einkaufen, Zerkleinern, Abwiegen und Portionieren dauern deutlich länger als das Öffnen einer Dose oder das Aufreißen einer Futtertüte.
- Platzbedarf für die Lagerung: Rohes Fleisch muss im Kühl- oder Gefrierschrank aufbewahrt werden. Das kann bei großen Hunden eine Menge Raum in den Geräten einnehmen.
- Auf Reisen ist Barf unpraktisch: Eine durchgehende Kühlung lässt sich meist nicht sicherstellen und Sie brauchen unterwegs Messer und geeignete Behälter.
Warum kann die Fütterung mit Barf sogar gefährlich sein?
Wer einen ausgewogenen Barf-Futterplan für sein Tier entwerfen will, muss einiges an Know-how mitbringen. Das gilt für die Futterzusammensetzung sowie für die Verarbeitung – denn neben den praktischen Nachteilen, kann das Barfen die folgenden gesundheitlichen Risiken haben:
- Unausgewogene Nährstoffzusammensetzung: Ein falsches Verhältnis von Kalzium zu Phosphor kann zu Knochenschädigungen führen. Zu wenig Mikronährstoffe führen zur Unterversorgung, ein Überschuss kann Organschäden verursachen.
- Drohendes Übergewicht durch zu große Portionen: Auf Fertigfutter stehen klare Fütterungsempfehlungen, das ist beim Barfen nicht der Fall. Sie müssen selbst die richtige Menge sicherstellen.
- Krankheitserreger im Rohfleisch: Nicht jede Sorte ist für die Rohfütterung geeignet. In Schweinefleisch können Herpesviren stecken, die die Aujeszkysche Krankheit auslösen. Sie ist für Hunde tödlich.
- Auch andere Erreger wie Listerien und Salmonellen oder Parasiten stellen eine Gefahr im Rohfleisch dar.
- Im Mundraum besteht für die Tiere Verletzungsgefahr durch splitternde Knochen. Zu harte Knochen bergen außerdem die Gefahr, dass der Hund sich daran buchstäblich die Zähne ausbeißt oder es zu Kieferfrakturen kommt.
- Ist der Anteil an harten Substanzen in der Barf-Kost zu hoch, kann es zu hartem Stuhlgang kommen (Knochenkot).
Warum kann Barfen für Menschen riskant sein?
Rohes Tierfleisch kann Krankheitserreger enthalten, die für den Menschen gefährlich sind. Bei mangelnder Küchenhygiene können beispielsweise Salmonellen und Campylobacter-Bakterien über Schneidebretter, Bürsten, Wischtücher oder Schwämme übertragen werden. Risikogruppen sind vor allem:
- Schwangere
- Senioren
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem
- Menschen mit Vorerkrankungen
- Kleinkinder
Wer barft sollte daher penibel auf eine gute Hygiene achten. Verwenden Sie für das Barfen immer getrennte Bretter, Messer sowie Schüsseln und waschen Sie sich nach der Zubereitung des Futters gründlich die Hände.

Worauf sollten Sie achten, wenn Sie barfen möchten?
Bevor Sie erstmals vom gewohnten Hundefutter auf Barfen umstellen, sollten Sie sich einlesen oder professionell beraten lassen: Verwenden Sie nicht einfach die nächstbesten Rezepte für Barfen aus dem Internet. Lassen Sie sich lieber von einem Tierarzt oder Tierernährungsberater über die wichtigsten Punkte informieren und erstellen Sie gemeinsam einen Ernährungsplan für Ihren Hund. Um eine Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen zu gewährleisten, empfehlen sich außerdem regelmäßige Blutuntersuchungen und mindestens ein jährlicher Check-up beim Tierarzt.
Denken Sie auch daran, dass sich der Bedarf der Tiere mit zunehmendem Lebensalter, bei Erkrankungen oder Gewichtsschwankungen ändert. Auch hier hilft eine fachkundige Beratung bei den Anpassungen.
Wie sieht eine Fütterung mit Barf aus?
Beim Barfen kommt es auf die genaue Zusammensetzung jeder Mahlzeit an. Der Anteil der jeweiligen Nahrungskomponenten orientiert sich dabei an einem Beutetier. Gängige Richtwerte für eine prozentuale Aufteilung sind:
- 60 bis 80 Prozent Muskelfleisch
- 10 bis 20 Prozent fleischige Knochen oder eine alternative Calciumquelle wie Eierschalenpulver
- 5 bis 10 Prozent Innereien, davon maximal circa 5 Prozent der Gesamtportion Leber
- 5 bis 10 Prozent Gemüse/Obst oder aufbereitete pflanzliche Fasern
- Öle, Vitamin- und Mineralergänzungen, gegebenenfalls Probiotika nach Bedarf und Berechnung
Mit dieser Zusammenstellung sichern Sie die Basiszufuhr an Makro- und Mikronährstoffen, Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen und notwendigen Supplementen – kritisch sind hier vor allem Jod, Vitamin D, Kupfer und Zink, sodass die Gabe von Seealgenpulver, Lachsöl und extra Mineralien sinnvoll sein kann. Sie sollten den groben Plan für Ihren Hund anpassen und immer nachbessern – je nach Rasse, Alter, Aktivitätslevel und Vorerkrankungen kann die Aufteilung abweichen. Dabei können Barfrechner auf seriösen Internetseiten helfen.
Achten Sie bei der Auswahl der Zutaten auf Abwechslung. Füttern Sie immer mal wieder andere Fleischsorten, etwa Rind, Lamm, Wild, Pute oder Huhn und übertreiben Sie es nicht mit den Innereien. Leber etwa enthält sehr viel Vitamin A. Eine Überversorgung (Hypervitaminose) kann Gesundheitsbeschwerden wie Hautveränderungen und Gelenkprobleme bedingen. Beim Gemüse und Obst sorgt ein bunter Mix dafür, dass dem Tier die ganze Palette an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, Faser- und Pflanzenstoffen zugutekommt.
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Trotz der besten Fütterung und Pflege kann ein Hund ernsthaft krank werden – und hohe Behandlungskosten in der Tierklinik oder beim Tierarzt verursachen. Mit der günstigen Hundekrankenversicherung von Cleos können Sie Ihrem Liebling die beste Therapie sichern, ohne sich womöglich verschulden zu müssen. Alle Tarife decken auch die Kosten für Operationen bis zu einer bestimmten Höhe; eine gesonderte OP-Police ist nicht notwendig.
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Was ist Trockenbarfen?
Neben dem klassischen Barfen mit frischem Rohfleisch hat sich das Trockenbarfen als praktische Alternative etabliert. Ob dauerhaft verwendet oder im Urlaub: Es hat durchaus einige Vorteile. Die Rohzutaten werden hierbei gefrier- oder luftgetrocknet und so haltbar gemacht. Vor allem bei der Gefriertrocknung bleiben viele Nährstoffe erhalten. Vor der Fütterung brauchen Sie das Trockenbarf lediglich mit warmem Wasser zu vermischen und ziehen zu lassen. Die Nahrung wird dadurch rehydriert.
Trockenbarf ist teurer als die Rohkost und nicht ganz so nährstoffreich. Dafür brauchen Sie sich keine Gedanken um die Lagerung und Küchenhygiene zu machen. Achten Sie beim Kauf darauf, ob es sich um ein vollständiges Alleinfutter oder um ein Ergänzungsfutter handelt – hier besteht Verwechslungsgefahr.
Barfen für Welpen – sinnvoll oder gefährlich?
Da Junghunde noch im Wachstum sind, haben sie einen anderen Nährstoffbedarf als erwachsene Tiere und reagieren auf eine unausgewogene Ernährung besonders empfindlich. Eine Unter- oder Überversorgung kann hier folgenschwer für die Entwicklung sein – insbesondere das korrekte Verhältnis von Kalzium und Phosphor ist für das Knochenwachstum unabdingbar. Auch die anderen Nährstoffe müssen beim Barfen exakt bedarfsgerecht abgestimmt sein.
Die meisten Ernährungsexperten und Tierärzte empfehlen deshalb, Welpen nur nach einem professionellen Plan mit Barf zu füttern und ihren Gesundheitsstatus engmaschig zu kontrollieren.
Barfen ist artgerecht, aber aufwändig
Wer seinen Hund so natürlich und kontrolliert wie möglich ernähren möchte, kommt an Barf kaum vorbei. Voraussetzung ist aber eine eingehende Beschäftigung mit dem Thema. Um eine falsche Ernährung zu vermeiden, ist viel Know-how erforderlich und auch den Aufwand für Einkauf, Lagerung und Hygiene sollten Sie nicht unterschätzen. Haben Sie dafür weder Zeit noch Interesse, sind Sie mit fertigem Hundefutter besser bedient.
Sie möchten sich einen jungen Hund zulegen? Lesen Sie, welche Erstausstattung Welpen benötigen. Ob die Hundehaltung überhaupt erlaubt ist, verrät Ihnen der Beitrag „Wohnung mieten mit Hund – das sollten Sie wissen.“
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Titelbild: stock.adobe.com/Phil Stev, Bild 2: stock.adobe.com/Vasily Smirnov, Bild 3: stock.adobe.com/Angelika Heine




