Es schneit! Darauf müssen Hausbesitzer jetzt achten

Kind beim Schnee räumen

Jeder kennt die klassischen Winterunfälle: Über Nacht hat es geschneit und Sie haben den Gehweg vor Ihrem Grundstück nicht rechtzeitig geräumt. Der Nachbar holt Brot vom Bäcker und stürzt auf dem nicht geräumten oder nicht gestreuten Gehweg. Er bricht sich den Fuß und muss im Krankenhaus operiert werden. Oder eine Dachlawine stürzt auf ein parkendes Auto. Das Auto wird beschädigt und der Fahrer verletzt sich. Wer haftet in diesen Fällen? Gibt es hier Regeln, auf die ein Haus- oder Wohnungseigentümer achten muss? Was hat es mit der Räum- und Streupflicht auf sich und gibt es noch weitere Pflichten für Hausbesitzer? Welche Möglichkeiten haben Sie als Eigentümer gegenüber Ihrem Mieter? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir Ihnen in diesem Artikel.

Verkehrssicherungspflichten: Wer nicht schippt, der haftet

Regelmäßiges Streuen gehört zu den Verkehrssicherungspflichten jedes Hausbesitzers.

Jede Immobilie und jeder angrenzende Gehweg stellt eine Gefahr für Passanten dar. Sie können sich durch nicht geräumte Gehwege schwer verletzen. Auch lose Dachziegel können herunterfallen und Passanten treffen. Morsche Bäume sind ebenfalls eine Gefahr, da sie bei einem Sturm Personen verletzen oder parkende Autos beschädigen können.

Deshalb haben Sie als Immobilieneigentümer diverse Pflichten. Darunter fallen vor allem die Instandhaltungspflicht und die Verkehrssicherungspflicht. Die Pflichten dienen zum Schutz von Personen und Objekten, vor allem von Fußgängern und Fahrradfahrern.

Schaffen oder unterhalten Sie eine potenzielle Gefahrenquelle (zum Beispiel durch den Kauf einer Immobilie), müssen Sie bestimmte Sicherungsvorkehrungen treffen, um Schäden an anderen Personen oder Objekten zu verhindern, zum Beispiel durch das Räumen und Streuen von Wegen oder auch das Beleuchten von Wegen und Treppenhäusern. Ziel ist die Abwehr von Gefahrenquellen. Diese Pflicht wird auch Verkehrssicherungspflicht genannt. Unterlassen Sie diese Pflicht, kann dies zu Schadensersatzansprüchen führen. Das ist auch in den §§ 823 des Bürgerlichen Gesetzbuches festgelegt.

Durch die Instandhaltungspflicht haben Sie als Eigentümer und vor allem als Vermieter die Pflicht, zum Beispiel lose Dachziegel, defekte Bodenbeläge auf Wegen oder herunterfallende Äste zu beseitigen.

Räum- und Streupflicht: Was bedeutet das konkret für mich?

Zu den Verkehrssicherungspflichten zählt auch die sogenannte Räum- und Streupflicht des Eigentümers. Der Eigentümer muss gewährleisten, dass alle Wege auf seinem Grundstück ohne Gefahr benutzbar sind. Im Winter müssen deshalb alle Wege auf seinem Grundstück von Schnee und Eis befreit werden. Dies gilt auch für öffentliche Gehwege vor dem jeweiligen Grundstück. Letzteres ist in der Regel durch die Satzung der jeweiligen Gemeinde festgehalten.

  • Räumpflicht besteht bereits, sobald der Schnee liegen bleibt.
  • Streupflicht muss erfüllt werden, sobald es zur Glättegefahr kommt.

Feste Winterdienst-Zeiten: Wann Sie den Gehweg von Schnee und Eis befreien müssen!

Die Kommunen legen Zeiten fest, wann die Räum- und Streupflicht erfolgen soll.
In der Regel gilt dabei folgendes:

  • An Werktagen: Zwischen 7 und 20 Uhr.
  • An Sonn- und Feiertagen zwischen 8 bzw. 9 und 20 Uhr.
  • Aber: Die zuständigen Gemeinden können hier nochmals Details festlegen.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Der Gehweg muss werktags bereits vor 7 Uhr und an Sonn- und Feiertagen vor 8 bzw. 9 Uhr befreit sein!

Diese Durchführungsmöglichkeiten haben Sie als Eigentümer

Es gibt drei Möglichkeiten zur Durchführung der Räum- und Streupflicht:

  • Der Eigentümer übernimmt die Pflicht selbst.
  • Der Eigentümer delegiert die Pflicht an den Mieter. Dies muss aber durch den Mietvertrag festgelegt werden.
  • Der Eigentümer beauftragt einen Winterdienst.

Kann den Winterdienst auch mein Mieter übernehmen?

Soll sich der Mieter um den Winterdienst kümmern, muss dies im Mietvertrag oder der beiliegenden Hausordnung klar geregelt sein.

Aber: Der Eigentümer bzw. Vermieter kann sich nicht komplett von der Haftung befreien. Überträgt er die Räum- und Streupflicht auf den Mieter, muss er regelmäßig kontrollieren, ob dieser den Pflichten nachkommt. Vernachlässigt der Eigentümer die Kontrollen, haftet er im Schadenfall ebenfalls.

Verletzung der Räum- und Streupflicht: Diese Versicherungen bieten Ihnen als Eigentümer Schutz

Die Privat-Haftpflichtversicherung greift, wenn Sie Eigentümer einer Wohnung oder eines Einfamilienhauses sind und diese selbst nutzen. Sie bietet Ihnen Schutz vor Forderungen, die aus Gefahren durch Ihr Grundstück oder Ihre Immobilie ausgehen.

Die Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung dagegen bietet Schutz bei Vermietung der Wohnung oder des Hauses. Sie greift auch, falls Sie Eigentümer eines Mehrfamilienhauses sind oder sich noch in der Bauphase einer Immobilie befinden. Auch hier ist der Eigentümer verpflichtet, dass Dritte keinen Schaden erleiden.

Gut zu wissen: Die Privat-Haftpflichtversicherung der BavariaDirekt bietet Eigentümern einer selbst bewohnten Immobilie im gesetzlich vorgegebenen Rahmen Schutz. Zudem ist hier bereits eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung in allen Tarifen enthalten. Bauherren und Eigentümer von unbebauten Grundstücken erhalten ebenfalls zusätzlichen Schutz ab Tarif M. In Tarif Komfort L sind darüber hinaus vermietete Wohnungen im selbst bewohnten Ein- und Zweifamilienhaus sowie ein in Europa gelegenes Ferienhaus versichert.

Krank oder Urlaub: Hafte ich in diesen Fällen?

Auch bei Abwesenheit des Eigentümers gilt die Räum- und Streupflicht. Wer im Urlaub oder krank ist, muss sich darum kümmern, dass das Räumen und Streuen eingehalten wird. Dies gilt auch, wenn der Eigentümer aufgrund des Berufes lange außer Haus ist.

Hier ist es am besten, einen Winterdienst zu beauftragen. Auch Familienmitglieder können die Tätigkeit übernehmen. Wird die Pflicht nicht erfüllt, besteht Ordnungswidrigkeit. Das kann eine Geldbuße bis zu 10.000 € nach sich ziehen.

Kann ich Streusalz verwenden?

Für den privaten Einsatz ist das Verwenden von Streusalz verboten. Streusalz darf nur durch einen professionellen Winterdienst gestreut werden. Der Grund dafür ist, dass das Salz in den Boden und auch ins Grundwasser sickert und dadurch umweltschädlich ist. Es hat negative Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere und auf Materialen von Bauten und Fahrzeugen. Das Verbot ist meist in der gültigen Verordnung der Gemeinde zu finden.

Diese Alternativen für Streusalz können Sie verwenden:


1Sand bzw. Bausand

Sand kann das Eis zwar nicht schmelzen, ist aber ein abstumpfendes Streumittel. Durch das Festsetzen im Schnee bzw. in der Eischicht wird die Rutschgefahr minimiert.

Vorteil: Sand kann nach dem Abtauen einfach zusammengefegt und wiederverwendet oder entsorgt werden.

Nachteil: Sand ist oft zu feinkörnig.

Empfehlung: Es sollten circa 100 Gramm pro Quadratmeter sein.

2Streusplitt und Granulat

Beide Stoffe sind rutschfester und grobkörniger als Sand.

Vorteil: Beide Stoffe können wiederverwendet werden.

Nachteil: Beide Stoffe können umweltschädliche Rückstände enthalten (z.B. Schwermetall).

Empfehlung: Auf die Herstellerangaben achten. Das Produkt sollte bestenfalls das Umweltsymbol „Blauer Engel“ enthalten.

3Holzspäne und Sägemehl

Säge – oder Holzspäne ist sehr umweltfreundlich, aber nicht überall zugelassen.

Vorteil: Nach dem Tauen können sie einfach entsorgt werden, zum Beispiel auf dem Kompost.

Nachteil: Sägespäne: Durch die Feinheit ist eine Rutschfestigkeit kaum gegeben. Grobe Holzspäne: Sie saugen sich mit Feuchtigkeit voll und verlieren an Rutschfestigkeit.


Ausnahme: In diesem Fall müssen Sie nicht sofort räumen

Die Räum- und Streupflicht ist generell immer einzuhalten. Kommt es zu einem Dauer-Schneefall bzw. zu einem stark anhaltenden Schneefall, müssen Sie währenddessen nicht ständig räumen oder streuen. Endet der stark anhaltende Schneefall, gelten die Regeln der zuständigen Gemeinde. Die Wege müssen Sie sofort von Schnee und Eis befreien. Bei Eisregen dagegen, sollten Sie sofort handeln.

Aber: Ist der Schneefall nicht dauerhaft, sondern schneit es tagsüber häufig mit gelegentlichen Pausen, so muss der Eigentümer der Räum- und Streupflicht häufiger nachkommen. Der Grund dafür: Passanten müssen den Gehweg gefahrlos passieren können.

Thema Dachlawine: Wer haftet, wenn der Schnee vom Dach fällt?

Achtung Dachlawine! Viele Hausbesitzer unterschätzen die Gefahr von oben.

Dachlawinen sind eine unterschätze Gefahr. Der Grund dafür: Oft bilden sich große Schneemassen auf den Hausdächern. Ist der Schneedruck auf den Dächern zu hoch, kann das Dach einstürzen und Dachlawinen auslösen. Setzt Regen oder Tauwetter ein, können das auch Auslöser für eine Dachlawine sein. Auch große Eiszapfen können sich an den Dachrinnen bilden und abbrechen.

Aber: Ein Hausbesitzer oder Eigentümer ist dafür verantwortlich, dass keine Dachlawinen oder Eiszapfen Personen verletzen oder Objekte beschädigen.

Wird bei einem Schadenfall nachgewiesen, dass der Eigentümer seine Verkehrssicherungspflicht vernachlässigt hat, ist er haftbar. In der Regel sind einzelne Wohnungsmieter nicht dafür zuständig. Sind Sie dagegen Mieter eines Hauses, kann der Hauseigentümer diese Pflicht mittels Mietvertrag auf Sie übertragen.

Bin ich durch die Privat-Haftpflichtversicherung gegen Dachlawinen abgesichert?

Die Privat-Haftpflichtversicherung und Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung schützt Eigentümer grundsätzlich, falls diese ihre Sorgfaltspflichten verletzt haben und haftbar gemacht werden. In diesem Fall übernimmt die Haftpflichtversicherung die Kosten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden. Beschädigt oder verletzt eine Dachlawine eine Person oder ein Objekt, leistet die Privat-Haftpflichtversicherung in der Regel dafür.

Auch die Privat-Haftpflichtversicherung der Bavaria Direkt leistet, wenn eine Schneelawine vom Hausdach stürzt und dritte, fremde Personen einen Schaden erleiden. Die Leistung erstreckt sich in allen Tarifen bis zur abgeschlossenen Versicherungssumme.

Der Versicherungsnehmer ist allerdings in der Pflicht, geeignete Vorkehrungen wie Schneefanghaken oder Schneebalken zu montieren. Stürzt dennoch eine Schneelawine ab, greift je nach Situation die private Haftpflichtversicherung oder die Elementarschadenversicherung der Wohngebäudeversicherung.

Auch Passanten und Autofahrer tragen Verantwortung

Wird durch eine Dachlawine ein Fahrzeug beschädigt, haftet der Immobilieneigentümer, falls er seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat. Allerdings können Autofahrer eine Mitschuld tragen, da sie grundsätzlich an einem sicheren Ort ohne Gefahr parken sollen.

Sollte es durch eine Lawine oder einen Eiszapfen zu einem Schaden am Fahrzeug kommen, übernimmt in der Regel die Kasko-Versicherung des Fahrzeughalters den Schaden. Deshalb sollten Sie bei Abschluss einer Teilkaskoversicherung im Rahmen Ihrer Kfz-Versicherung stets darauf achten, dass auch Schäden durch Lawinen abgedeckt sind.

Wie kann ich Dachlawinen verhindern?

Herabstürzende Schneemassen sind eine Gefahr für Menschen und Gegenstände, wie zum Beispiel abgestellte Fahrzeuge. Mit den folgenden Tipps können Sie Dachlawinen wirkungsvoll vorbeugen.

  • Schneefanggitter anbringen: Durch Schneefanggitter wird verhindert, dass Schneemassen und Eis zu Boden fallen können. Sie bestehen aus Metall und werden an Dachkanten angebracht. Übrigens: In einigen Bundesländern und Gemeinden besteht sogar die Pflicht zum Anbringen von Schneefanggittern.
  • Regelmäßige Überprüfung, ob sich bereits große Schneemengen auf dem Dach befinden.
  • Schnee und Eis räumen mittels Schneeräumer: Schnee und Eis können auch durch einen entsprechenden Schneeräumer entfernt werden. Der Schneeräumer besteht aus einer Teleskopstange und sollte mehrerer Meter lang sein. Es kann aber auch ein Dachdecker oder ein Fachmann beauftragt werden, um die Schneebrocken zu entfernen.
  • Warnschilder: Besteht zum Beispiel durch starken Schneefall die Gefahr für eine Dachlawine, muss darauf hingewiesen werden. Das kann durch Warnschilder erfolgen.