Überblick im Diesel-Dschungel: Wo gelten Umweltprämien und Diesel-Fahrverbote?

Nach den jüngsten Abgasskandalen in Deutschland ist das Thema Auto und Umwelt brisanter denn je. Gelten bereits Diesel-Fahrverbote? Wenn ja, ist mein Auto davon betroffen? Gibt es derzeit Umweltprämien? Ist mein Auto ein „Umweltsünder“?

Wir verschaffen etwas Überblick im Diesel-Dschungel.

Diesel-Fahrverbote in deutschen Städten

Die Luftbelastung durch Feinstaub und Stockstoffdioxid ist in deutschen Städten weiterhin zu hoch. Einen großen Anteil daran haben Diesel-Fahrzeuge, weswegen bereits in einigen Städten Diesel-Fahrverbote gelten oder in Planung sind. Bislang sind vor allem die Abgasnormen 1 bis 4 betroffen. Doch in welchen Städten gilt bereits das Fahrverbot?

Hamburg

Als erste Stadt startete Hamburg im Juni 2018 mit einem Diesel-Fahrverbot. Betroffen sind zunächst Diesel-Autos unterhalb der Abgasnorm Euro 6 in zwei Straßenabschnitten im Stadtteil Altona-Nord.

Diesel-Fahrer, die dieses Verbot missachten und trotzdem auf den betroffenen Straßen fahren, droht ein Bußgeld von 20 Euro für Pkw, Lkw-Fahrer müssen sogar mit 75 Euro Strafe rechnen. Die Polizei führt stichprobenartig Kontrollen durch.

Stuttgart

Seit Januar 2019 ist auch ein Diesel-Fahrverbot in Stuttgart in Kraft getreten. Hier ist jedoch das gesamte Stadtgebiet betroffen. Im Vergleich zu Hamburg kostet ein missachtetes Fahrverbot ganze 80 Euro für Autofahrer.

Berlin

Ab Juni 2019 wird es auch in der Hauptstadt so weit sein – das Diesel-Fahrverbot wird in insgesamt 11 Stadtabschnitten eintreffen. Hier könnte es sein, dass Diesel-Fahrzeuge bis zur Abgasnorm Euro 5 mit Fahrverboten in der Innenstadt rechnen müssen.

Weitere Städte, die in naher Zukunft davon betroffen sein werden bzw. in denen die Gerichtsverhandlungen noch laufen, sind:

  • Köln
  • Bonn
  • Darmstadt
  • Essen
  • Gelsenkirchen
  • Mainz
Fahrern, die das Diesel-Fahrverbot missachten, droht bei einer Polizeikontrolle ein Bußgeld. Die Höhe des Bußgeldes ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich ausgelegt.

Wie werden die Diesel-Fahrverbote kontrolliert?

Bislang werden die Diesel-Fahrverbote stichprobenartig durch die Polizei kontrolliert, wie es beispielsweise in Hamburg schon praktiziert wird. Die Polizei überprüft in einem solchen Fall die Fahrzeugpapiere und die darin enthaltene Abgasnorm. Ist die Abgasnorm in dem Gebiet nicht erlaubt, droht dem Fahrer ein Bußgeld. Die Höhe des Bußgeldes ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich, sie beginnt derzeit bei 20 Euro in Hamburg.

Eine mögliche „blaue Plakette“ für neuere und saubere Diesel-Autos ist immer wieder in der Diskussion. Besonders Umweltschützer befürworten diese Variante, da dadurch direkt erkenntlich wäre, welche Kfz in dem jeweiligen Stadtbereich fahren dürfen und welche nicht. Konkretere Pläne von der Bundesregierung gibt es aber zu der blauen Plakette noch nicht.

Wird es Ausnahmen bei den Diesel-Fahrverboten geben?

Ja, es wird einzelne Ausnahmen für Anwohner, Schwerbehinderte und Gewerbetreibende in den betroffenen Stadtgebieten geben. Zu den Gewerbetreibenden gehören zum Beispiel Handwerker, die häufig ein größeres Diesel-Auto fahren. Die genauen Ausnahmen sind aber in jeder Stadt unterschiedlich.

Welche Diesel-Autos sollte ich noch kaufen?

Anwohner von Städten mit bereits umgesetztem oder geplantem Diesel-Fahrverbot sollten zunächst überlegen, ob sie in den bestimmten Stadtgebieten überhaupt mit dem Auto unterwegs sind. Wenn Sie zum Beispiel gar nicht in den städtischen Umweltgebieten mit dem Pkw fahren, dann gelten normalerweise keine Einschränkungen. Dennoch ist es aus Umweltsicht ratsam, ein schadstoffarmes Auto zu wählen.

Bei Diesel-Fahrzeugen ab der Schadstoffklasse Euro 6d TEMP bzw. Euro 6d ist es vom Risiko her unwahrscheinlich, dass sie in den nächsten Jahren von Fahrverboten betroffen sein werden.

Kann ich mein Diesel-Auto nachrüsten?

Die meisten Euro-5-Diesel sind noch relativ neu und häufig im Straßenverkehr zu finden. Hier können Nachrüstungen durchaus helfen, die Abgasnorm zu verbessern. Der Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat bereits Ende 2018 einige Bedingungen und Vorschriften für die Hardware-Nachrüstung gestellt. Darin ist zum Beispiel auch festgelegt, dass die Umrüstung von Euro-4 oder Euro-5-Diesel eine Stickoxid-Ausstoß-Verbesserung (NOx) auf höchstens 270mg NOx pro Kilometer bewirken muss. Zudem muss das Hardware-Nachrüstungssystem bis zu einer Temperatur von -7 Grad einwandfrei funktionieren und grundsätzlich mindestens 100.000 Kilometer oder fünf Jahre die Verbesserung beibehalten.

Aktuell handelt es sich um noch nicht zugelassenen Nachrüstungssysteme, sondern lediglich um Prototypen. Außerdem muss zunächst überprüft werden, welche Hardware mit welchem Automodell kompatibel ist. Bis Diesel-Autos also wirklich nachgerüstet werden können, dauert es noch ein wenig. 

Umweltprämie

In dem Maßnahmenpaket hat der Bund neben den Software- und Hardware-Nachrüstungen auch Sonderabatte für Neuwagen gefordert.

Ob Diesel-, Hybrid-, Umwelt- oder Abwrackprämie – die Rabatt-Aktionen haben viele verschiedene Namen. Doch was beinhaltet eine solche Prämie, kann ich damit wirklich Geld sparen?

Grundsätzlich hat jeder Hersteller seine eigenen Regeln rund um die Rabatt-Aktion. BMW bietet beispielsweise eine Dieselprämie von rund 2.000 Euro bei Kauf eines Neuwagens an, Audi je nach Modell 3.000 bis 10.000 Euro. Viele weitere Hersteller wie Mercedes, Opel, Renault, Toyota, Seat oder Fiat bieten ebenfalls einen Rabatt an. Zum Teil gelten die Dieselprämien nicht nur beim Kauf von Neuwagen, sondern anteilig auch für jüngere Gebrauchtwagen. Dabei kommt es aber auf das Modell an, da nicht alle in die Umweltprämie eingeschlossen sind. Was mit dem Altfahrzeug passiert, ist ebenfalls bei jedem Hersteller unterschiedlich – einige bieten eine Inzahlungnahme an, einige aber auch eine Verschrottung von Euro 1-4-Dieseln.

Der Umtausch ist nur in bestimmten Städten möglich, in denen ein Ausstoß von mehr als 50 Mikrogramm NOx pro Kilometer überschritten ist. Dazu gehören aktuell 14 Städte: München, Düsseldorf, Hamburg, Kiel, Heilbronn, Backnang, Darmstadt, Bochum, Ludwigsburg, Köln, Reutlingen, Stuttgart, Düren, Limburg a.d. Lahn. Angrenzende Landkreise dieser Städte sind darin ebenfalls miteinbezogen, genauso wie Pendler, die in einer dieser Städte arbeiten.

Fahrverbote für ältere Diesel-Modelle sollen unsere Umwelt, insbesondere in den Großstädten, weniger belasten. Doch was bedeutet das für mich als Autofahrer?

Und nun?

In Planung ist, dass der Umtausch oder die Nachrüstung auch auf andere Städte ausgeweitet wird, in denen der Grenzwert bei 40 Mikrogramm NOx pro Kilometer liegt. Erste Kritiker behaupten, dass die neueren Diesel aber gar nicht viel „sauberer“ sind und man daher weiterhin der Umwelt schade. Natürlich ist zum Beispiel das Fahrrad die umweltfreundlichere Alternative. Wenn man aber lange Strecken mit dem Auto zurücklegen muss, lohnt sich ein Blick auf aktuelle Angebote, Umweltprämien und Nachrüstungen bei dem jeweiligen Hersteller. Eine Übersicht bietet zum Beispiel die VCD Umweltliste, in der unter anderem die CO2-Emissionen und die Schadstoffklasse je nach Kfz-Modell zu finden sind. Die passende Versicherung für das neue Auto finden Sie bei uns – damit Sie nicht nur beim Auto, sondern auch bei der Kfz-Versicherung Geld sparen.